31.07.2021 | München

Stillachhaus-Campus Akademie Symposium in München

Über das eigene Denken denken – Einführung in die Grundlagen der metakognitiven Therapie (MCT)

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliche Direktorin Stillachhaus Privatklinik

Gedanken sind meist flüchtige, kurzfristige Phänomene. Dennoch können sie unser emotional-seelisches und auch körperliches Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen. Insbesondere psychische Erkrankungen lassen sich dahingehend beschreiben, in welchem Ausmaß bestimmte Gedanken immer wieder durchgegangen, vertieft und bearbeitet werden, beispielsweise im Rahmen von Grübelschleifen, Sich-Sorgen und Monitoring (kognitives Aufmerksamkeitssyndrom = CAS). Bei der Auswahl und Steuerung dieser Denkmuster sind die sogenannten Metakognitionen sehr bedeutsam. Gemeint ist die Auseinandersetzung mit und Beziehung zu unseren inneren kognitiven Prozessen: Das Denken über das eigene Denken. Vor dem Hintergrund des heutigen Wissens, dass Metakognitionen Krankheit besser prädizieren als Kognitionen, entwickelte Adrian Wells die Metakognitive Therapie. Wesentliche Ziele der MCT sind die Beseitigung des kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (CAS), eine Modifizierung dysfunktionaler metakognitiver Überzeugungen und die Verbesserung metakognitiver Kontrolle. Bisherige Studien bieten Evidenz für eine rasche und nachhaltige klinische Wirksamkeit vom MCT bei zahlreichen psychischen Erkrankungen. Im Vortrag werden erste Grundlagen der MCT vermittelt und wesentliche Techniken wie Losgelöste Achtsamkeit, Einsatz von Metaphern und Aufmerksamkeitstraining vorgestellt.

Lost in Transition: Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen und Erwachsenen

Referent: Dr. med. Alexander Korte, M.A. | Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Ltd. Oberarzt an der Klinik für KJP der Ludwig-Maximilians-Universität München

Gegenstand des Beitrags ist das Spektrum der Geschlechtsdysphorie und deren Mani-festation bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Häufigkeitszunahme von Minderjährigen, die sich „im falschen Geschlecht“ wähnen, und der vielfach propagierte „Paradigmenwechsel“ in der Einord¬nung geschlechtsdysphorischen Empfindens (Versuch der Entpathologisierung, geänderte Leitlinien-Empfehlungen etc.) werden diskutiert. Ausführlich wird auf die anhaltende Kontroverse um unterschiedliche Behandlungsstrategien und die Vertretbarkeit einer frühzeitigen Festlegung und Weichenstellung eingegangen. Es gilt als gesichert, dass nicht alle Betroffenen das Vollbild einer Transsexualität entwickeln. Dies legt ein altersdifferenziertes Vorgehen nahe, das auch andere Entwicklungsaufgaben jenseits der Genderthematik berücksichtigt. Es wird dargelegt, welche entwicklungspsychologischen, differenzialdiagnostischen und medizinethischen Überlegungen dafürsprechen, körperverändernde Maßnahmen nicht vor Abschluss der psychosexuellen Entwicklung vorzunehmen; besonderes Augenmerk richtet sich dabei auch auf das Phänomen „Rapidonset gender dysphoria“.

Digitale Depression?

Referentin: Prof. Dr. Sarah Diefenbach | Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Einzug der Technik in jeden Winkel des Alltags bleibt nicht ohne Folgen. Aufmerksamkeitsstörungen durch vermeintliches Multitasking, Leistungseinbußen durch ständige Unterbrechungen, die Degeneration des Orientierungssinns durch die allzeit bereite Navigations-App oder Fehlwahrnehmungen wie Phantom-Vibrationen. Aber nicht nur kognitiven Leistungen und körperliche Symptome, auch das subjektive Glückserleben und die soziale Interaktion werden zunehmend durch Technik definiert. Manch einer lebt mehr für Likes auf Facebook oder Instagram und vergisst dabei, den Moment selbst zu genießen. Jedes Ereignis wird zur Selfie-Kulisse – wie die Stimmung dort wirklich war, wird immer unwichtiger. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in sozialen Netzwerken tatsächlich Bestätigung und Glück zu finden, denn das eigene Profil steht in gnadenloser Konkurrenz mit den Profilen anderer, und selektiven, geschönten Ausschnitten aus deren Leben. Auch die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und der permanente Antwortdruck stellen uns vor Herausforderungen. Soziale Normen, d.h. ungeschriebene Gesetzte des Miteinanders, wie einander zuhören, Wertschätzung oder Verbindlichkeit, werden von der Technik oft ausgehebelt. Basierend auf dem Buch „Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern“ beleuchtet der Vortrag die Konsequenzen der allgegenwärtigen Technik in unserem Alltag. Im Fokus stehen besonders für diejenigen Phänomene, bei denen Menschen, meist ohne es zu merken, die Entscheidung über Glück und Unglück an die Technik delegieren oder in ungesunde Routinen rutschen, die so niemals gewollt waren. Im Rahmen des Campus®-Symposiums lädt Sarah Diefenbach zur kritischen Diskussion ein.

Psychosomatische Diagnostik im Spannungsfeld zwischen Innerer Medizin, Neurobiologie und Psychoanalyse

Referent: Dr. med. Robert Willi | Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Die diagnostische Abklärung von körperlichen Symptomen unklarer Herkunft stellt Ärzte und Psychologen regelmäßig vor große Herausforderungen. Dabei bewegt sich die psychosomatische Diagnostik inhaltlich zwischen den üblichen Disziplinen da für die Diagnosestellung sowohl ärztliche als auch psychotherapeutische Fachkenntnisse erforderlich sind. Die derzeit gültigen Diagnosesysteme der ICD-10 bzw. DSM-V stellen bei der Diagnose von psychosomatischen Symptomen nur eine begrenzte Hilfe dar. So werden die psychosomatischen Symptomenbilder dort zwar deskriptiv beschrieben, auf eine ursächliche Zuordnung wird dort aber – aus guten Gründen – verzichtet. Die traditionellen psychoanalytischen Erklärungsmodelle können für das Verständnis von psychosomatischen Symptomen sehr hilfreich sein, bergen in der Diagnostik aber oft das Risiko der Spekulation. Auch die aktuellen verhaltenstherapeutischen bzw. verhaltensmedizinischen Konzepte haben sich in Diagnostik und Behandlung von psychosomatischen Symptomen bewährt, schützen aber auch nur begrenzt vor Fehldiagnosen. Moderne neurobiologische Diagnosemethoden haben bisher ebenfalls keine wesentlichen Verbesserungen gebracht. Im Vortrag werden deshalb Wege einer seriösen Diagnosestellung bei psychosomatischen Symptomen aufgezeigt. Die Darstellung erfolgt anhand von ausgewählten Fällen aus der Praxis für die Praxis. Die im Vortrag dargestellten Fallbespiele stammen aus 10 Jahren Kliniktätigkeit in Innerer Medizin, Dermatologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

Buchungscode: Sym 4

Veranstaltungsort
Novotel München City
Hochstraße 11
81669 München
www.novotel.com
089 / 661070

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 250,- Euro (inkl. MwSt.). Speisen und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Bayern 9 CME-Punkte beantragt.

Wissenschaftliche Leitung
Dr. med. Franziska van Hall

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung
Frühstückssnack

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
gesunder Energysnack

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Alexander Korte, M.A.

12:45 – 13:30 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Lunch
3-Gänge-Menü

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Sarah Diefenbach

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
Nachmittagssnack

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Robert Willi

16:45 – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Verabschiedung