27.06.2020 | Frankfurt

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Frankfurt

CME Zertifikat

Für das Symposium in Frankfurt werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Hessen beantragt.

Depressives Grübeln: Ätiologie und Behandlung

Referent: PD Dr. Tobias Teismann | Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum. Geschäftsführender Leiter des Zentrums für Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum

Grübeln gilt als ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Störungen, wie auch für das Auftreten von Rückfällen und Wiedererkrankungen. Darüber hinaus verweisen eine Vielzahl an Forschungsarbeiten auf die Bedeutung grüblerischen Denkens für die Aufrechterhaltung von Angststörungen, Essstörungen, Schlaf- und Schmerzstörungen. Aber auch jenseits psychopathologischer Belastung leiden viele Menschen in ihrem Alltag an wiederkehrenden und zermürbenden Grübelschleifen. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wurden in den vergangenen Jahren verschiedene kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze entwickelt, die über eine gezielte Modifikation depressiven Grübelns das Behandlungsangebot für depressive Patienten zu erweitern versuchen. Im Vortrag werden die Auswirkungen depressiven Grübelns skizziert und verschiedene Annahmen zur Ätiologie depressiven Grübelns referiert. Im Anschluss werden Behandlungsstrategien vorgestellt. Im Einzelnen wird dabei eingegangen werden auf die Entwicklung eines metakognitiven Fallkonzeptes, Interventionen zur Modifikation dysfunktionaler grübelbezogener Annahmen und den Einsatz aufmerksamkeitslenkender Techniken zur Behandlung depressiven Grübelns.

Digitale Depression?

Referentin: Prof. Dr. Sarah Diefenbach | Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Einzug der Technik in jeden Winkel des Alltags bleibt nicht ohne Folgen. Aufmerksamkeitsstörungen durch vermeintliches Multitasking, Leistungseinbußen durch ständige Unterbrechungen, die Degeneration des Orientierungssinns durch die allzeit bereite Navigations-App oder Fehlwahrnehmungen wie Phantom-Vibrationen. Aber nicht nur kognitiven Leistungen und körperliche Symptome, auch das subjektive Glückserleben und die soziale Interaktion werden zunehmend durch Technik definiert. Manch einer lebt mehr für Likes auf Facebook oder Instagram und vergisst dabei, den Moment selbst zu genießen. Jedes Ereignis wird zur Selfie-Kulisse – wie die Stimmung dort wirklich war, wird immer unwichtiger. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in sozialen Netzwerken tatsächlich Bestätigung und Glück zu finden, denn das eigene Profil steht in gnadenloser Konkurrenz mit den Profilen anderer, und selektiven, geschönten Ausschnitten aus deren Leben. Auch die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und der permanente Antwortdruck stellen uns vor Herausforderungen. Soziale Normen, d.h. ungeschriebene Gesetzte des Miteinanders, wie einander zuhören, Wertschätzung oder Verbindlichkeit, werden von der Technik oft ausgehebelt. Basierend auf dem Buch „Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern“ beleuchtet der Vortrag die Konsequenzen der allgegenwärtigen Technik in unserem Alltag. Im Fokus stehen besonders für diejenigen Phänomene, bei denen Menschen, meist ohne es zu merken, die Entscheidung über Glück und Unglück an die Technik delegieren oder in ungesunde Routinen rutschen, die so niemals gewollt waren. Im Rahmen des Campus®-Symposiums lädt Sarah Diefenbach zur kritischen Diskussion ein.

Wir wollten doch noch so viel machen – Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Patient, Partner und Partnerschaft

Referentin: Prof. Dr. Tanja Zimmermann | Professur für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizn und Onkologie, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover

Eine Krebserkrankung stellt nicht nur für die erkrankte Person eine psychosozial belastende Situation dar, sondern kann auch den nicht erkrankten Partner und die partnerschaftliche Funktionsfähigkeit sowie das Leben von Kindern, Verwandten und engen Freunden beeinträchtigen. Die psychische und physische Funktionsfähigkeit der Angehörigen beeinflusst auch ihre Fähigkeit, für die Patienten zu sorgen. Daher ist es von größter Bedeutung, die psychosozialen Belastungen sowohl bei Patienten als auch bei Angehörigen zu erfassen sowie Angehörige und hier insbesondere die Partner der Patienten in die psychoonkologischen Beratungskonzepte zu integrieren. Trotz der insgesamt deutlich verbesserten psychosozialen Versorgung von Krebspatienten im Rahmen der Leitlinienentwicklung und der Definition psychosozialer Versorgungsstandards erhalten Angehörige weniger emotionale und praktische Unterstützung als Patienten. Paarinterventionen verbessern nachweislich die Kommunikationsfähigkeit der Partner im Hinblick auf die individuellen Ängste und die oftmals veränderten Rollen innerhalb der Partnerschaft. Das Paar lernt, Stress gemeinsam zu bewältigen im Sinne einer „We-Disease“. Auch der Übergang von der direkten medizinischen Therapiephase in die „Normalität“ mit beispielsweise der Wiederaufnahme sexueller Aktivität kann dem Paar durch erfolgreiches dyadisches Coping leichter fallen als Paaren ohne psychoonkologische Paarintervention.

Chronische Schmerzen – Umgang mit dem Ungeliebten

Referent: Dr. med. Colin Schmidt | Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Facharzt für Anästhesiologie, Chefarzt Stillachhaus Privatklinik

Mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Auch im Zeitalter der Hochleistungsmedizin dauert es nicht selten mehrere Jahre bis zur korrekten Diagnosestellung und Initiierung einer adäquaten Therapie. Chronische Schmerzstörungen sind daher ein großes gesellschaftliches Problem in Deutschland – das für Betroffene und deren Angehörige oft ein schweres Leiden und für die Medizin eine enorme Herausforderung darstellt. Häufig fühlen sich nicht nur Betroffene, sondern auch Helfende überfordert und hilflos, was immer wieder zu unnötigen, z.T. auch schädigenden diagnostischen Maßnahmen, Medikamenten-Verordnungen und invasiven Therapien führt.
Darüber hinaus erleben sich viele der chronischen Schmerzpatienten in unserem Medizinsystem nicht genügend ernst genommen bzw. von ihrem sozialen Umfeld nicht ausreichend verstanden, was in einer Negativspirale aus Resignation, sozialen Rückzugstendenzen und weiterer Schmerzverstärkung, aber auch psychischen Komorbiditäten wie Medikamentenmissbrauch und Depression münden kann. Auf der anderen Seite hat sich das Wissen hinsichtlich multifaktorieller Prozesse der Schmerzchronifizierung – mit Wechselwirkungen zwischen somatischen, psychischen und sozialen Faktoren – sowie erfolgreicher Behandlungsmethoden deutlich erweitert. Neben modernen Therapieansätzen beschäftigt sich der Vortrag auch mit wichtigen kommunikativen Aspekten, Erwartungs-, Placebo- bzw. Noceboeffekten und gibt praktische Empfehlungen für einen vertrauensfördernden und hilfreichen Umgang mit chronischen Schmerzpatienten.

Veranstaltungsort
Frankfurt Marriott Hotel
Hamburger Allee 2
60486 Frankfurt
www.marriott.de
069 79550

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Hessen 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Tobias Teismann

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Sarah Diefenbach

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Tanja Zimmermann

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Colin Schmidt

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung