25.04.2020 | Nürnberg

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Nürnberg

CME Zertifikat

Für das Symposium in Nürnberg werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Bayern beantragt.

Über das eigene Denken denken – Einführung in die Grundlagen der metakognitiven Therapie (MCT)

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliche Direktorin Stillachhaus Privatklinik

Gedanken sind meist flüchtige, kurzfristige Phänomene. Dennoch können sie unser emotional-seelisches und auch körperliches Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen. Insbesondere psychische Erkrankungen lassen sich dahingehend beschreiben, in welchem Ausmaß bestimmte Gedanken immer wieder durchgegangen, vertieft und bearbeitet werden, beispielsweise im Rahmen von Grübelschleifen, Sich-Sorgen und Monitoring (kognitives Aufmerksamkeitssyndrom = CAS). Bei der Auswahl und Steuerung dieser Denkmuster sind die sogenannten Metakognitionen sehr bedeutsam. Gemeint ist die Auseinandersetzung mit und Beziehung zu unseren inneren kognitiven Prozessen: Das Denken über das eigene Denken. Vor dem Hintergrund des heutigen Wissens, dass Metakognitionen Krankheit besser prädizieren als Kognitionen, entwickelte Adrian Wells die Metakognitive Therapie. Wesentliche Ziele der MCT sind die Beseitigung des kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (CAS), eine Modifizierung dysfunktionaler metakognitiver Überzeugungen und die Verbesserung metakognitiver Kontrolle. Bisherige Studien bieten Evidenz für eine rasche und nachhaltige klinische Wirksamkeit vom MCT bei zahlreichen psychischen Erkrankungen. Im Vortrag werden erste Grundlagen der MCT vermittelt und wesentliche Techniken wie Losgelöste Achtsamkeit, Einsatz von Metaphern und Aufmerksamkeitstraining vorgestellt.

Schmerz – eine Zeitdiagnose?

Referent: Prof. Dr. Matthias Rose | Direktor Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik, Charité-Universitätsmedizin Berlin

Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Prävalenz von Schmerzerkrankungen weltweit. Schätzungen gehen von ca. 15 Mio. Patienten aus, die an wiederkehrenden Rückenschmerzen leiden und ca. 750.000 an einer chronischen Schmerzerkrankung. An erster Stelle der Gründe für ambulante Krankschreibungen steht der Rückenschmerz, noch vor den Infektionserkrankungen. Die Europäische Schmerzgesellschaft spricht dem Schmerz bereits den Wert einer eigenen Erkrankungsentität zu, die Internationale Schmerzgesellschaft sieht in der konsequenten Schmerzbehandlung sogar ein ‚Universelles Menschenrecht‘. Auf der anderen Seite sterben heute in den USA mehr Menschen als jemals zuvor an einer Überdosis von Opioiden, darunter erstmals überwiegend ärztlich verschriebene Medikamente. In dem Vortrag soll zunächst auf die verschiedenen Krankheitsmodelle des Schmerzes und die Ursachen für dessen Zunahme eingegangen werden, bevor die neurobiologischen Befunde bei chronischen Schmerzpatienten dargestellt werden, die die Grundlage für eine individualisierte Schmerztherapie darstellen. Am Ende der Veranstaltung sollen anhand von Fallbeispielen gemeinsam die Prinzipien einer multimodalen Schmerztherapie erarbeitet werden. Die Fallbeispiele stammen aus der Arbeit in dem interdisziplinären Schmerzzentrum der Charité, in dem Anästhesisten, Physiotherapeuten, Psychologen, Neurochirurgen und Fachärzte für Psychosomatik in der ambulanten, teil- und vollstationären Versorgung seit Jahren eng zusammenarbeiten.

Beziehung ist – fast – alles

Referent: Prof. (em.) Dr. Josef Aldenhoff | Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Allein hätte ein Mensch schon in grauer Vorzeit keine Chance gehabt.
Stabile Beziehungen zu anderen sind unverzichtbar für das Überleben. Deswegen haben die Menschen ganz eigene, und viel stärker auf das Zusammenleben ausgerichtete Interaktionsformen entwickelt, als die ihnen nahestehenden Primaten. Das wichtigste passiert in der Kindheit: Mutter-Kind-Interaktion und die Entstehung der Bindungsstrukturen prägen das weitere Leben, sind die Voraussetzung für gutes und erfülltes Leben. Das Besondere daran: nur die Basis ist genetisch vorgegeben, Ausprägung und Qualität müssen gelebt werden. Das macht Beziehungsstrukturen fragil, denn eine durch Gewalt, Misshandlungen und Missbrauch geprägte Kindheit kann zwar mit viel Aufwand therapiert, aber kaum je vergessen werden. Mit dem, was wir aus der Kindheit mitbringen, führen wir die Beziehungen des erwachsenen Lebens, die seltener gelingen, häufiger scheitern. Beziehung spielt für die Qualität unseres ganz normalen Lebens und bei allen psychischen Störungen eine Rolle. Eine der wichtigsten Psychotherapien der Depression heißt nicht zufällig „Interpersonale Therapie“. Aber interessanter Weise wird Paartherapie nicht von den Krankenkassen bezahlt. Was unsere gesellschaftlichen Strukturen angeht, frage ich mich als Therapeut schon, ob das Stereotyp aus Liebesverbindung, ökonomisch geprägter Heirat, lieblosem Zusammenleben und mehr oder weniger traumatischer Trennung wirklich der menschlichen Weisheit letzter Schluss ist. Über Alternativen darf diskutiert werden.

Placeboeffekte

Referent: Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Winkler | Psychologischer Psychotherapeut, Justus-Liebig-Universität Gießen

Der Placeboeffekt ist seit Jahrzehnten als klinisch-relevantes Phänomen bekannt, das einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der positiven Wirkung jeder therapeutischen Intervention leisten kann. Allein die Erwartung bei Patienten und Ärzten, ein Medikament werde helfen, führt oft dazu, dass Patienten sich besser fühlen. Aber auch frühere Erfahrungen mit Behandlungen oder der ärztliche Kontakt allein tragen zum Behandlungsergebnis bei. Beispielsweise wurde in zahlreichen klinischen Studien aufgezeigt, dass bis zu 70% der Symptomverbesserung bei Medikamentengabe auf solche „unspezifischen“ Placeboeffekte zurückzuführen sind.
Während die Forschung zum therapeutischen Einsatz von Placeboeffekten in der klinischen Praxis noch in den Kinderschuhen steckt, finden diese in der therapeutischen Praxis bereits Anwendung. Ungefähr die Hälfte der niedergelassenen Hausärzte, haben schon einmal Patienten mit Placebos behandelt, indem sie dem Patienten ein Medikament in einer subtherapeutischen Dosierung oder für eine andere Indikationsstellung (aber mit weniger Nebenwirkungen) verschrieben haben, was rechtliche und ethische Schwierigkeiten mit sich bringt.
Der Vortag bietet einen Überblick über den derzeitigen Stand der Placebo-Forschung, skizziert Perspektiven, wie eine ethisch und rechtlich vertretbare Nutzung von Placeboeffekten in der klinischen Praxis gelingen kann und widmet sich folgenden Fragen:
Wie können Therapien mithilfe des Placeboeffekt effektiver gestaltet und Nebenwirkungen reduziert werden? Funktionieren Placebos auch dann, wenn der Patient weiß, dass er ein wirkstoffloses Medikament einnimmt (Open-Label-Placebo)? Sind Antidepressiva nichts weiter als aktive Placebos? Sollten wir die Nutzung von Placeboeffekten der Homöopathie und Alternativmedizin überlassen?
Der Fokus liegt dabei auf der Behandlung von psychisch kranken Menschen.

Veranstaltungsort
NH Collection Nürnberg City
Bahnhofstr. 17-19
90402 Nürnberg
www.nh-collection.com
0911 99990

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Bayern 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Matthias Rose

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Josef Aldenhoff

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Winkler

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung