23.05.2020 | Mannheim

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Mannheim

Aktueller Stand: 20.04.2020, 15:20 Uhr:
Das Symposium muss leider aufgrund der aktuellen Lage des Corona-Virus ABGESAGT werden.

 

CME Zertifikat

Für das Symposium in Mannheim werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg beantragt.

Body-Focused Repetitive Behaviors – Wenn die Körperpflege aus dem Ruder läuft

Referentin: Dr. sc. hum. Dipl.-Psych. Dorina Winter | Psychologische Psychotherapeutin. Geschäftsführende Leitung des Weiterbildungsstudiengangs in Psychologischer Psychotherapie der Universität Koblenz-Landau

Menschen mit body-focused repetitive behaviors leiden unter repetitiven Verhaltensweisen, die den eigenen Körper schädigen. Zu ihnen gehören zum Beispiel wiederholtes, übermäßiges Haareausreißen oder Bearbeiten der Haut, auch bekannt als Trichotillomanie bzw. Dermatillomanie. Trotzdem Betroffene Hilfe benötigen, sprechen sie ihr selbstschädigendes Verhalten aus Scham selten aktiv an. Zudem erschwert die Notwendigkeit interdisziplinärer Kooperation eine erfolgreiche Behandlung. Dieser Vortrag zielt darauf ab, diese Behandlungshürden zu vermindern. Er gibt einen Überblick über die Phänomenologie und die aktuellen diagnostischen Kriterien der body-focused repetitive behaviors, praktische Tipps zur Diagnostik, den Stand der Forschung zur Pathogenese der Erkrankungen sowie über die verfügbaren psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten.

Placeboeffekte

Referent: Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Winkler | Psychologischer Psychotherapeut, Justus-Liebig-Universität Gießen

Der Placeboeffekt ist seit Jahrzehnten als klinisch-relevantes Phänomen bekannt, das einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der positiven Wirkung jeder therapeutischen Intervention leisten kann. Allein die Erwartung bei Patienten und Ärzten, ein Medikament werde helfen, führt oft dazu, dass Patienten sich besser fühlen. Aber auch frühere Erfahrungen mit Behandlungen oder der ärztliche Kontakt allein tragen zum Behandlungsergebnis bei. Beispielsweise wurde in zahlreichen klinischen Studien aufgezeigt, dass bis zu 70% der Symptomverbesserung bei Medikamentengabe auf solche „unspezifischen“ Placeboeffekte zurückzuführen sind.
Während die Forschung zum therapeutischen Einsatz von Placeboeffekten in der klinischen Praxis noch in den Kinderschuhen steckt, finden diese in der therapeutischen Praxis bereits Anwendung. Ungefähr die Hälfte der niedergelassenen Hausärzte, haben schon einmal Patienten mit Placebos behandelt, indem sie dem Patienten ein Medikament in einer subtherapeutischen Dosierung oder für eine andere Indikationsstellung (aber mit weniger Nebenwirkungen) verschrieben haben, was rechtliche und ethische Schwierigkeiten mit sich bringt.
Der Vortag bietet einen Überblick über den derzeitigen Stand der Placebo-Forschung, skizziert Perspektiven, wie eine ethisch und rechtlich vertretbare Nutzung von Placeboeffekten in der klinischen Praxis gelingen kann und widmet sich folgenden Fragen: Wie können Therapien mithilfe des Placeboeffekt effektiver gestaltet und Nebenwirkungen reduziert werden? Funktionieren Placebos auch dann, wenn der Patient weiß, dass er ein wirkstoffloses Medikament einnimmt (Open-Label-Placebo)? Sind Antidepressiva nichts weiter als aktive Placebos? Sollten wir die Nutzung von Placeboeffekten der Homöopathie und Alternativmedizin überlassen?
Der Fokus liegt dabei auf der Behandlung von psychisch kranken Menschen.

Beziehung ist – fast – alles

Referent: Prof. (em.) Dr. Josef Aldenhoff | Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Allein hätte ein Mensch schon in grauer Vorzeit keine Chance gehabt.
Stabile Beziehungen zu anderen sind unverzichtbar für das Überleben. Deswegen haben die Menschen ganz eigene, und viel stärker auf das Zusammenleben ausgerichtete Interaktionsformen entwickelt, als die ihnen nahestehenden Primaten. Das wichtigste passiert in der Kindheit: Mutter-Kind-Interaktion und die Entstehung der Bindungsstrukturen prägen das weitere Leben, sind die Voraussetzung für gutes und erfülltes Leben. Das Besondere daran: nur die Basis ist genetisch vorgegeben, Ausprägung und Qualität müssen gelebt werden. Das macht Beziehungsstrukturen fragil, denn eine durch Gewalt, Misshandlungen und Missbrauch geprägte Kindheit kann zwar mit viel Aufwand therapiert, aber kaum je vergessen werden. Mit dem, was wir aus der Kindheit mitbringen, führen wir die Beziehungen des erwachsenen Lebens, die seltener gelingen, häufiger scheitern. Beziehung spielt für die Qualität unseres ganz normalen Lebens und bei allen psychischen Störungen eine Rolle. Eine der wichtigsten Psychotherapien der Depression heißt nicht zufällig „Interpersonale Therapie“. Aber interessanter Weise wird Paartherapie nicht von den Krankenkassen bezahlt. Was unsere gesellschaftlichen Strukturen angeht, frage ich mich als Therapeut schon, ob das Stereotyp aus Liebesverbindung, ökonomisch geprägter Heirat, lieblosem Zusammenleben und mehr oder weniger traumatischer Trennung wirklich der menschlichen Weisheit letzter Schluss ist. Über Alternativen darf diskutiert werden.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen

Referentin: Dr. sc. Dipl.-Psych. Eva Kischkel | Hochschulambulanz für Psychotherapie und Psychodiagnostik, Institut für Psychologie, Humboldt Universität zu Berlin

Zwangsstörungen bleiben oft unerkannt, da Betroffene sich für ihr Symptome schämen und nur über die Folgen (Stimmungstiefs, Schlafstörungen, Stresserleben) berichten. Selbst wenn sich Patienten oder Patientinnen Hilfe suchen, dauert es meist bis zu sieben Jahren, bis der oder diejenige eine adäquate Behandlung erhält. Im Vortrag soll die Diagnostik und Therapie bei Zwangsstörungen erläuert werden. Hierbei wird die Praktische Umsetzung der Exposition mit Reaktionsverhinderung im Mittelpunkt stehen.

Veranstaltungsort
Best Western Plus Hotel LanzCarré
Heinz-Haber-Straße 2
68163 Mannheim
www.bestwestern.de
0621 860840

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. sc. hum. Dipl.-Psych. Dorina Winter

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Winkler

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Josef Aldenhoff

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. sc. Dipl.-Psych. Eva Kischkel

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung