20.06.2020 | Potsdam

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Potsdam

CME Zertifikat

Für das Symposium in Potsdam werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Brandenburg beantragt.

Perfektionismus – Stärken nutzen, mit Risiken umgehen?

Referentin: Dr. phil. Dipl.-Psych. Christine Altstötter-Gleich | Universtität Koblenz-Landau, Campus Landau, Fachbereich 8: Psychologie

Perfektionismus ist mit einer Vielzahl psychischer Störungsbilder verbunden. Am verbreitetsten sind stressbedingte Störungen wie Depression und Burn Out. Häufig sind mit der Tendenz, an die eigenen Leistungen sehr hohe Anforderungen zu stellen, aber auch ausgeprägte soziale Ängste und Essstörungen verbunden. Nicht zuletzt werden perfektionistische Tendenzen im Alltag als problematisch erlebt, weil sie für dysfunktionale Verhaltensweisen, wie z.B. Prokrastination oder übertriebenes Checking-Verhalten verantwortlich sind. Internationale Forschungsprogramme machen jedoch deutlich, dass ein ausgeprägtes Leistungsstreben nicht zwangsläufig mit psychischen Problemen einhergeht. Sie identifizieren eine Reihe von Prozessen, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass sich perfektionistische Tendenzen zum sogenannten klinisch relevanten Perfektionismus entwickeln. Im Zentrum des Vortrags stehen neben diesen Prozessen verschiedene Modellen zur Ätiologie des klinisch relevanten Perfektionismus. Darauf aufbauend werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien vorgestellt, die vor allem auf sogenannte perfektionistische „Denkfehler“ abzielen.

Placeboeffekte

Referent: Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Winkler | Psychologischer Psychotherapeut, Justus-Liebig-Universität Gießen

Der Placeboeffekt ist seit Jahrzehnten als klinisch-relevantes Phänomen bekannt, das einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der positiven Wirkung jeder therapeutischen Intervention leisten kann. Allein die Erwartung bei Patienten und Ärzten, ein Medikament werde helfen, führt oft dazu, dass Patienten sich besser fühlen. Aber auch frühere Erfahrungen mit Behandlungen oder der ärztliche Kontakt allein tragen zum Behandlungsergebnis bei. Beispielsweise wurde in zahlreichen klinischen Studien aufgezeigt, dass bis zu 70% der Symptomverbesserung bei Medikamentengabe auf solche „unspezifischen“ Placeboeffekte zurückzuführen sind.
Während die Forschung zum therapeutischen Einsatz von Placeboeffekten in der klinischen Praxis noch in den Kinderschuhen steckt, finden diese in der therapeutischen Praxis bereits Anwendung. Ungefähr die Hälfte der niedergelassenen Hausärzte, haben schon einmal Patienten mit Placebos behandelt, indem sie dem Patienten ein Medikament in einer subtherapeutischen Dosierung oder für eine andere Indikationsstellung (aber mit weniger Nebenwirkungen) verschrieben haben, was rechtliche und ethische Schwierigkeiten mit sich bringt.
Der Vortag bietet einen Überblick über den derzeitigen Stand der Placebo-Forschung, skizziert Perspektiven, wie eine ethisch und rechtlich vertretbare Nutzung von Placeboeffekten in der klinischen Praxis gelingen kann und widmet sich folgenden Fragen:
Wie können Therapien mithilfe des Placeboeffekt effektiver gestaltet und Nebenwirkungen reduziert werden? Funktionieren Placebos auch dann, wenn der Patient weiß, dass er ein wirkstoffloses Medikament einnimmt (Open-Label-Placebo)? Sind Antidepressiva nichts weiter als aktive Placebos? Sollten wir die Nutzung von Placeboeffekten der Homöopathie und Alternativmedizin überlassen?
Der Fokus liegt dabei auf der Behandlung von psychisch kranken Menschen.

Beziehung ist – fast – alles

Referent: Prof. (em.) Dr. Josef Aldenhoff | Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Allein hätte ein Mensch schon in grauer Vorzeit keine Chance gehabt.
Stabile Beziehungen zu anderen sind unverzichtbar für das Überleben. Deswegen haben die Menschen ganz eigene, und viel stärker auf das Zusammenleben ausgerichtete Interaktionsformen entwickelt, als die ihnen nahestehenden Primaten. Das wichtigste passiert in der Kindheit: Mutter-Kind-Interaktion und die Entstehung der Bindungsstrukturen prägen das weitere Leben, sind die Voraussetzung für gutes und erfülltes Leben. Das Besondere daran: nur die Basis ist genetisch vorgegeben, Ausprägung und Qualität müssen gelebt werden. Das macht Beziehungsstrukturen fragil, denn eine durch Gewalt, Misshandlungen und Missbrauch geprägte Kindheit kann zwar mit viel Aufwand therapiert, aber kaum je vergessen werden. Mit dem, was wir aus der Kindheit mitbringen, führen wir die Beziehungen des erwachsenen Lebens, die seltener gelingen, häufiger scheitern. Beziehung spielt für die Qualität unseres ganz normalen Lebens und bei allen psychischen Störungen eine Rolle. Eine der wichtigsten Psychotherapien der Depression heißt nicht zufällig „Interpersonale Therapie“. Aber interessanter Weise wird Paartherapie nicht von den Krankenkassen bezahlt. Was unsere gesellschaftlichen Strukturen angeht, frage ich mich als Therapeut schon, ob das Stereotyp aus Liebesverbindung, ökonomisch geprägter Heirat, lieblosem Zusammenleben und mehr oder weniger traumatischer Trennung wirklich der menschlichen Weisheit letzter Schluss ist. Über Alternativen darf diskutiert werden.

Einsamkeit in der modernen Welt – Trends und Möglichkeiten

Referentin: Prof. Dr. Sonia Lippke | Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin, Jacobs University Bremen

Unter dem Begriff Einsamkeit versteht man das subjektive Leiden unter Alleinsein und das Gefühl, nicht verstanden zu werden oder Resonanz zu vermissen. Auch wenn die Einsamkeit in der Bevölkerung nicht ansteigt, so nimmt doch das Interesse am Thema und darüber zu sprechen zu. Dies bietet viele Chancen, denn die Angst vor Alterseinsamkeit beschäftigt viele Menschen und auch die Frage nach veränderter Kommunikation stellt soziale Bindungen und Interaktionen in Frage. Maßnahmen gegen Einsamkeit sind sowohl sozial als auch ökonomisch sinnvoll. So konnte gezeigt werden, dass sich gezielte Angebote rechnen: Jedes hierfür investierte britische Pfund entlastete öffentlichen Kassen an anderer Stelle um 1,26 Pfund – zum Beispiel im Gesundheitswesen. Denn Einsamkeit kann krank machen – und sie kann auch ansteckend sein. Das klingt zunächst merkwürdig, denn einsam zu sein bedeutet ja in der Regel, wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben. In unserem digitalen Zeitalter verbreiten sich die Folgen von Einsamkeit jedoch über soziale Netzwerke. Viele Menschen, denen es an zwischenmenschlicher Resonanz fehlt, verstricken sich zunehmend in die eigene Gedankenwelt. Einige finden im Internet und Sozialen Medien Hilfe, viele jedoch bestärken sich dort auch gegenseitig in ihren negativen Emotionen. Denn im Gegensatz zum Alleinsein geht Einsamkeit oft mit dem Gefühl einher, ausgegrenzt zu sein. Dies wiederum schwächt das Selbstwertgefühl und macht Menschen anfälliger. Wie Ärzte und Psychologen damit umgehen können, das wird in diesem Beitrag näher beleuchtet und mit den Zuhörern interaktiv diskutiert.

Veranstaltungsort
Dorint Hotel Sanssouci Berlin/Potsdam
Jägerallee 20
14469 Potsdam
www.hotel-potsdam.dorint.com
0331 274-0

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Brandenburg 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. phil. Dipl.-Psych. Christine Altstötter-Gleich

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Winkler

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Josef Aldenhoff

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Sonia Lippke

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung