16.10.2021 | Frankfurt

Stillachhaus-Campus Akademie Symposium in Frankfurt

Schwierige Therapiesituationen

Referentin: Dr. rer. medic. Dipl.-Psych. Sara Zeugmann | Psychologische Psychotherapeutin und Wellness Counselor, New York University Berlin

Schwierige Therapiesituationen sind unweigerlicher Bestandteil des therapeutischen Prozesses. In jeder Therapie treffen verschiedene Personen mit jeweils ganz eigenen Geschichten und Bedürfnislagen aufeinander, welche durchaus zu schwierig empfundenen Situationen führen können. In diesem Symposium werden typische Probleme unseres Faches behandelt, störungsspezifisch und – übergreifend. Nach der Herausarbeitung der Charakteristika schwieriger Situationen, werden praxisnahe konstruktive Lösungswege vorgestellt. Gleichzeitig möchte ich zu Gelassenheit motivieren und für die Wichtigkeit von Selbstfürsorge im Zusammenhang mit herausfordernden Therapiesituationen plädieren.

Emotion als Schlüssel zur Veränderung – Emotionsfokussierte Therapie (EFT)

Referent: Dr. rer. nat Dipl.-Psych. Moritz Ischebeck | Psychologischer Psychotherapeut, Dozent und Supervisor

Emotionen dienen uns als Kompass. Sie helfen uns zu erkennen, was wir brauchen, um ein erfülltes Leben zu führen. Sie können jedoch auch problematisch werden. So können sich frühere schmerzhafte Erfahrungen negativ auf unser aktuelles Leben auswirken. Auch unsere erlernte Art, mit Emotionen umzugehen, kann uns blockieren und zu psychischen Schwierigkeiten führen. Darum stellt die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) als wissenschaftlich fundierter Psychotherapieansatz die Emotionen in den Mittelpunkt therapeutischen Handelns. Sie spiegelt mit diesem Fokus neueste Erkenntnisse der affektiven Neurowissenschaften und der Psychotherapieforschung wider. In einer warmen und wertschätzenden Beziehung helfen Emotionsfokussierte TherapeutInnen ihren PatientInnen, Gefühle wahrzunehmen, in Worte zu fassen, zu verstehen und zu regulieren. Dies hilft bei der Überwindung emotionaler Schwierigkeiten und wird als Motor für Veränderungen des Verstandes und des Handelns gesehen. In dem Vortrag soll ein erster Einblick in die emotionsfokussierte Therapie und dessen Vorgehensweise gegeben werden.

Nudging: Können wir schlauer handeln als wir denken?

Referent: Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf | Alexander von Humboldt-Professur für klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum

Die meisten von uns kennen den gesunden Lebensstil: Viel Bewegung, die richtige Ernährung, stabile Beziehungen, nicht zu viel Stress. Aber nur die wenigsten von uns setzen das wirklich um – warum? Wir Menschen sind zu recht stolz auf unser Denkvermögen. Unsere Informationsverarbeitung ist bewundernswert erfolgreich, aber ihre Kapazität ist nicht unbegrenzt. Unser Denken ist daher nicht vollkommen rational, sondern nur begrenzt rational. Im Alltag behelfen wir uns mit einer Vielzahl meist einfacher Faustregeln, sogenannten Heuristiken. Diese erlauben rasches Urteilen und Handeln. Häufig sind sie solide Leitlinien für die Lebensbewältigung. Sie können jedoch auch in die Irre führen, und dies sogar systematisch. Die moderne Psychologie hat dies detailliert beschrieben und die verantwortlichen Mechanismen identifiziert. Wir verhalten uns unvernünftiger, als wir meinen – selbst wenn wir das Richtige kennen. Wenn wir aber die Eigenheiten der menschlichen Informationsverarbeitung kennen, können wir uns selbst „überlisten“ und tatsächlich schlauer handeln als wir denken. Hier setzt das „Nudging“ an. Es bezeichnet sanfte „Schubser“ in die richtige Richtung, die uns helfen, schlauer zu handeln, als wir denken können. Es geht nicht um Verbote oder so starke Anreize, dass unsere Handlungsfreiheit unangemessen eingeschränkt wird. Stattdessen sollen dem Einzelnen auf der Basis unseres „kognitiven Bauplans“ die optimalen Chancen für kluges Handeln in unserem besten Interesse gegeben werden. Beispiele für erfolgreiches Nudging sind die Steigerung von Organspenden und Vorsorgeuntersuchungen durch „Opt-Out“ statt „Opt-In“ oder gesündere Ernährung durch Obstschalen in der Kantine und kleinere Gefäße bei Süßgetränken. Kritisch ist manchmal die Rede von Manipulation und „Big Brother“, die unsere vermeintlich freien Entscheidungen unterminieren. Hier ist eine gesellschaftliche Wertedebatte vonnöten. Nudging muss explizit und auf der Basis eines Wertekonsenses erfolgen. Dabei ist es wichtig, dass wir ohnehin nie völlig unbeeinflusst handeln. Wenn es aber schon Einflüsse gibt, dann doch lieber explizit, in voller Kenntnis der Absichten, auf der Basis eines breiten Konsenses und in die richtige Richtung. Mit Hilfe des über viele Menschen kumulierten Wissens und angemessener prozeduraler Hilfsmittel kann dann auch der Einzelne, kann jeder von uns schlauer handeln als wir denken können.

Psychologische Resilienz: Grundlagen, Mechanismen und Perspektiven

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliche Direktorin Stillachhaus Privatklinik

Als psychologische Resilienz wird insbesondere die Fähigkeit eines Individuums bezeichnet, sich erfolgreich an Stress, Traumata und Krisensituationen anzupassen. Unserem heutigen Verständnis zufolge unterliegt Resilienz einem prozesshaften Charakter; sie ist dynamisch und damit veränderbar. Doch welche übergeordneten Resilienz-Mechanismen führen in ihrem Zusammenwirken zu einer verlässlichen Vorhersage von Resilienz gegenüber Stressoren? Der Vortrag bietet einen Überblick über die derzeit noch sehr heterogenen wissenschaftlichen Resilienzkonzepte, ausgehend von unterschiedlichen Resilienz-Definitionen über deren Operationialisierung bis hin zur Erfassung eines einheitlichen Resilienzkonstruktes. Auch in Bezug auf die Frage, wie Resilienz als erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben am besten trainierbar wird, existiert derzeit noch kein wissenschaftlicher Konsens: Vor dem Hintergrund einer kritischen Reflexion der bisherigen Evidenz solcher Interventionen wird ein Ausblick auf den zukünftigen Forschungsbedarf unter Einbezug notwendiger wissenschaftlicher Standards skizziert. Im Weiteren erfolgt ein Einblick in die praktische resilienzmedizinische Arbeit des Stillachhauses. Trotz der Verschiedenheit der einzelnen Forschungsbefunde ließ sich bereits ein deutlicher Zusammenhang zwischen Resilienz und psychischer Gesundheit z.B. auch bei körperlich Erkrankten zeigen. Parallel zur klinischen psychosomatisch-psychotherapeutischen Arbeit werden daher im Stillachhaus durch gezielte Interventionen bekannte Resilienzfaktoren gefördert, um durch die gewonnene positive Gesundheitskompetenz (Veränderung von Einstellungen und Ansichten, neugewonnene Stärken und Ressourcen sowie Kompetenzen) den Therapieerfolg der Patienten und damit deren Lebensqualität nachhaltig zu stärken.

Buchungscode: Sym 9

Veranstaltungsort
Radisson Blu Hotel Frankfurt
Franklinstrasse 65
60486 Frankfurt am Main
www.radissonhotels.com
069 / 770 1550

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 250,- Euro (inkl. MwSt.). Speisen und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Hessen 9 CME-Punkte beantragt.

Wissenschaftliche Leitung
Dr. med. Franziska van Hall

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung
Frühstückssnack

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. rer. medic. Dipl.-Psych. Sara Zeugmann

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
gesunder Energysnack

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Moritz Ischebeck

12:45 – 13:30 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Lunch
3-Gänge-Menü

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
Nachmittagssnack

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

16:45 – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Verabschiedung