13.06.2020 | Leipzig

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Leipzig

Aktueller Stand: 26.05.2020, 8:00 Uhr:
Das Symposium findet unter Einhaltung der behördlichen Sicherheitsvorschriften statt. Bei Änderungen werden wir Sie umgehend informieren.

CME Zertifikat

Für das Symposium in Leipzig werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Sachsen beantragt.

Digitale Depression?

Referentin: Prof. Dr. Sarah Diefenbach | Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Einzug der Technik in jeden Winkel des Alltags bleibt nicht ohne Folgen. Aufmerksamkeitsstörungen durch vermeintliches Multitasking, Leistungseinbußen durch ständige Unterbrechungen, die Degeneration des Orientierungssinns durch die allzeit bereite Navigations-App oder Fehlwahrnehmungen wie Phantom-Vibrationen. Aber nicht nur kognitiven Leistungen und körperliche Symptome, auch das subjektive Glückserleben und die soziale Interaktion werden zunehmend durch Technik definiert. Manch einer lebt mehr für Likes auf Facebook oder Instagram und vergisst dabei, den Moment selbst zu genießen. Jedes Ereignis wird zur Selfie-Kulisse – wie die Stimmung dort wirklich war, wird immer unwichtiger. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in sozialen Netzwerken tatsächlich Bestätigung und Glück zu finden, denn das eigene Profil steht in gnadenloser Konkurrenz mit den Profilen anderer, und selektiven, geschönten Ausschnitten aus deren Leben. Auch die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und der permanente Antwortdruck stellen uns vor Herausforderungen. Soziale Normen, d.h. ungeschriebene Gesetzte des Miteinanders, wie einander zuhören, Wertschätzung oder Verbindlichkeit, werden von der Technik oft ausgehebelt. Basierend auf dem Buch „Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern“ beleuchtet der Vortrag die Konsequenzen der allgegenwärtigen Technik in unserem Alltag. Im Fokus stehen besonders für diejenigen Phänomene, bei denen Menschen, meist ohne es zu merken, die Entscheidung über Glück und Unglück an die Technik delegieren oder in ungesunde Routinen rutschen, die so niemals gewollt waren. Im Rahmen des Campus®-Symposiums lädt Sarah Diefenbach zur kritischen Diskussion ein.

Roboter und Künstliche Intelligenz in unserem Alltag: Vertrauen, Akzeptanz und Erleben

Referent: Dr. Daniel Ullrich | Psychologe und Medieninformatiker, Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Interaktion, Ludwig-Maximilians-Universität München

Von Industrie 4.0 über künstliche Intelligenz bis Smart Home: Roboter und digitale Helfer bevölkern immer weitere Felder unseres Alltags und Arbeitslebens. Ausgestattet mit eigener Persönlichkeit und Intelligenz werden sie zu sozialen Interaktionspartnern. Längst ist die Grenze verwischt, mit der man mit Sicherheit einen menschlichen Chat-Partner von einer Maschine unterscheiden konnte. Dieses Spannungsfeld bringt zahlreiche Herausforderungen hervor.
Studien in verschiedenen Bereichen wie z.B. autonomes Fahren zeigen, dass Menschen Technologien oft in hohem Maße vertrauen – und ihnen teilweise auch Fähigkeiten zuschreiben, die über die tatsächlichen Kompetenzen hinausgehen. Aus psychologischer Sicht besonders interessant ist dieser Aspekt, wenn es um emotionale Fragen geht: Sind Roboter genauso gut darin, Emotionen zu erkennen wie ein Mensch? Wem vertrauen wir mehr – Mensch oder Maschine? Und was sind sind die Grundlagen dafür, dass wir Technik vertrauen – oder auch nicht?
Diese und andere Fragen rund um vermeintlich intelligente Technik werden im Vortrag von Daniel Ullrich diskutiert.

Scham, die tabuisierte Emotion

Referent: Dr. rer. soc. Stephan Marks | Seminare und Vorträge, Sozialwissenschaftler, Supervisor

Scham ist eine schmerzhafte, oft übersehene Emotion, die in jeder Begegnung, in jeder Arbeit mit Menschen akut werden kann; vor allem in helfenden Berufen, etwa Beratung, Psychotherapie oder Medizin, wenn Klient/-innen sich für ihren Körper, ihre Herkunft, ihre Armut oder ihre Hilfsbedürftigkeit schämen. Unerkannte Schamgefühle können z.B. zu Depression, Kontaktabbruch oder Sucht führen – oder in Zynismus, Trotz oder Aggression umschlagen. Daher ist es für alle, die mit Menschen arbeiten, wichtig, Scham zu erkennen und konstruktiv mit ihr umgehen zu können. Denn sie ist zwar schmerzhaft, hat aber auch positive Aufgaben: Scham ist, nach Leon Wurmser, die Hüterin der Menschenwürde.
Der Vortrag faßt grundlegende Informationen über Scham zusammen: insbesondere die Unterscheidung zwischen Scham und Beschämung sowie zwischen ‚gesunder‘ und ‚traumatischer Scham‘. Vorgestellt werden Verhaltensweisen, hinter denen sich häufig die Schamgefühle von Klient/-innen verbergen. Daran anknüpfend wird gezeigt, worin die Herausforderung für alle helfenden Berufe besteht – und die Voraussetzungen für einen konstruktiven Umgang mit diesem „schwierigen“ Gefühl; dies wird bezogen auf die eigene Person (Psychohygiene), für die jeweilige Arbeit mit Menschen und für die Rahmenbedingungen dieser Arbeit.

Pathologischer Narzissmus: Entstehung, Diagnostik und Therapie bei betroffenen Patienten

Referent: Prof. Dr. Stefan Röpke | Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Narzissmus ist ein Persönlichkeitsmerkmal, welches seit der Antike beschrieben ist. Wenn Leid und Beeinträchtigung hierdurch beim Betroffenen hervorgerufen werden, wird es als pathologischer Narzissmus klinisch relevant. Als eigenständige Diagnose findet es sich als Narzisstische Persönlichkeitsstörung nur im amerikanischen Diagnosesystem DSM-5®, nicht jedoch im ICD-10® der WHO. Diese Randständigkeit in den Klassifikationssystemen steht im Widerspruch zum großen klinischen Interesse an dem Störungsbild. Bisher wurden viele Theorien und Therapien für den pathologischen Narzissmus entwickelt. In diesem Vortrag sollen diese Behandlungsansätze und Theorien den verfügbaren empirischen Daten gegenübergestellt werden. Es soll den Fragen nachgegangen werden: Was wissen wir über die Pathogenese von Narzissmus? Welche klinischen Modelle sind belegbar? Welche Behandlungsansätze wirken? Gibt es kulturelle Unterschiede hinsichtlich der Ausprägung von pathologischem Narzissmus? Steuern wir auf eine narzisstische Epidemie zu?

Veranstaltungsort
The Westin Hotel Leipzig
Gerberstraße 15
04105 Leipzig
www.westin-leipzig.de
0341 988-0

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Sachsen 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Sarah Diefenbach

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. Daniel Ullrich

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. rer. soc. Stephan Marks

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Stefan Röpke

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung