12.06.2021 | Stuttgart

Stillachhaus-Campus Akademie Symposium in Stuttgart

Über das eigene Denken denken – Einführung in die Grundlagen der metakognitiven Therapie (MCT)

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliche Direktorin Stillachhaus Privatklinik

Gedanken sind meist flüchtige, kurzfristige Phänomene. Dennoch können sie unser emotional-seelisches und auch körperliches Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen. Insbesondere psychische Erkrankungen lassen sich dahingehend beschreiben, in welchem Ausmaß bestimmte Gedanken immer wieder durchgegangen, vertieft und bearbeitet werden, beispielsweise im Rahmen von Grübelschleifen, Sich-Sorgen und Monitoring (kognitives Aufmerksamkeitssyndrom = CAS). Bei der Auswahl und Steuerung dieser Denkmuster sind die sogenannten Metakognitionen sehr bedeutsam. Gemeint ist die Auseinandersetzung mit und Beziehung zu unseren inneren kognitiven Prozessen: Das Denken über das eigene Denken. Vor dem Hintergrund des heutigen Wissens, dass Metakognitionen Krankheit besser prädizieren als Kognitionen, entwickelte Adrian Wells die Metakognitive Therapie. Wesentliche Ziele der MCT sind die Beseitigung des kognitiven Aufmerksamkeitssyndroms (CAS), eine Modifizierung dysfunktionaler metakognitiver Überzeugungen und die Verbesserung metakognitiver Kontrolle. Bisherige Studien bieten Evidenz für eine rasche und nachhaltige klinische Wirksamkeit vom MCT bei zahlreichen psychischen Erkrankungen. Im Vortrag werden erste Grundlagen der MCT vermittelt und wesentliche Techniken wie Losgelöste Achtsamkeit, Einsatz von Metaphern und Aufmerksamkeitstraining vorgestellt.

Neue, effiziente Behandlungsansätze bei situativen Ängsten und Spezifischen Phobien

Referent: Dr. phil. André Wannemüller | Wisschenschaftlicher Mitarbeiter Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr Universität Bochum

Der Bedarf an psychotherapeutischen Behandlungen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Das gilt jedoch nicht in gleicher Weise für das Angebot. Um dem dadurch entstanden Versorgungsengpass Rechnung zu tragen, scheint die Entwicklung effizienter Behandlungsstrategien bei gleichzeitiger Wahrung der Wirksamkeit bewährter Ansätze daher ein Gebot der Stunde. Im Falle der Behandlung situativer Ängste und Spezifischer Phobien haben in den letzten Jahren einige vielversprechende Entwicklungen in diese Richtung stattgefunden: expositionsbasierte Ein-Sitzungs- Großgruppenprogramme und kurze Individualbehandlungen in der virtuellen oder augmentierten Realität sind nur einige davon.
Im Vortrag wird zunächst das Wissen zu Phänomenologie, Epidemiologie und Ätiologie phobischer Störungen aufgefrischt. Außerdem werden praktische Empfehlungen für die Wahl und Ausrichtung geeigneter Expositionskontexte vor dem Hintergrund angestrebter Erwartungsverletzungen gegeben. Im Anschluss werden einige der angesprochenen Therapieansätze anschaulich vorgestellt und deren Wirksamkeit vergleichend eingeordnet.
Und wer einfach nur immer schon einmal wissen wollte, wie es sich anfühlt, mit 125 Menschen mit Flugphobie einen Rundflug über Deutschland zu machen oder wie die Zusammenarbeit von Psychotherapeuten und Feuerwehrleuten Menschen mit Höhenangst helfen kann, kommt ebenfalls auf seine Kosten…

Psychosomatische Diagnostik im Spannungsfeld zwischen Innerer Medizin, Neurobiologie und Psychoanalyse

Referent: Dr. med. Robert Willi | Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Die diagnostische Abklärung von körperlichen Symptomen unklarer Herkunft stellt Ärzte und Psychologen regelmäßig vor große Herausforderungen. Dabei bewegt sich die psychosomatische Diagnostik inhaltlich zwischen den üblichen Disziplinen da für die Diagnosestellung sowohl ärztliche als auch psychotherapeutische Fachkenntnisse erforderlich sind. Die derzeit gültigen Diagnosesysteme der ICD-10 bzw. DSM-V stellen bei der Diagnose von psychosomatischen Symptomen nur eine begrenzte Hilfe dar. So werden die psychosomatischen Symptomenbilder dort zwar deskriptiv beschrieben, auf eine ursächliche Zuordnung wird dort aber – aus guten Gründen – verzichtet. Die traditionellen psychoanalytischen Erklärungsmodelle können für das Verständnis von psychosomatischen Symptomen sehr hilfreich sein, bergen in der Diagnostik aber oft das Risiko der Spekulation. Auch die aktuellen verhaltenstherapeutischen bzw. verhaltensmedizinischen Konzepte haben sich in Diagnostik und Behandlung von psychosomatischen Symptomen bewährt, schützen aber auch nur begrenzt vor Fehldiagnosen. Moderne neurobiologische Diagnosemethoden haben bisher ebenfalls keine wesentlichen Verbesserungen gebracht. Im Vortrag werden deshalb Wege einer seriösen Diagnosestellung bei psychosomatischen Symptomen aufgezeigt. Die Darstellung erfolgt anhand von ausgewählten Fällen aus der Praxis für die Praxis. Die im Vortrag dargestellten Fallbespiele stammen aus 10 Jahren Kliniktätigkeit in Innerer Medizin, Dermatologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

Perfektionismus – Stärken nutzen, mit Risiken umgehen?

Referentin: Dr. phil. Dipl.-Psych. Christine Altstötter-Gleich | Universtität Koblenz-Landau, Campus Landau, Fachbereich 8: Psychologie

Perfektionismus ist mit einer Vielzahl psychischer Störungsbilder verbunden. Am verbreitetsten sind stressbedingte Störungen wie Depression und Burn Out. Häufig sind mit der Tendenz, an die eigenen Leistungen sehr hohe Anforderungen zu stellen, aber auch ausgeprägte soziale Ängste und Essstörungen verbunden. Nicht zuletzt werden perfektionistische Tendenzen im Alltag als problematisch erlebt, weil sie für dysfunktionale Verhaltensweisen, wie z.B. Prokrastination oder übertriebenes Checking-Verhalten verantwortlich sind. Internationale Forschungsprogramme machen jedoch deutlich, dass ein ausgeprägtes Leistungsstreben nicht zwangsläufig mit psychischen Problemen einhergeht. Sie identifizieren eine Reihe von Prozessen, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass sich perfektionistische Tendenzen zum sogenannten klinisch relevanten Perfektionismus entwickeln. Im Zentrum des Vortrags stehen neben diesen Prozessen verschiedene Modellen zur Ätiologie des klinisch relevanten Perfektionismus. Darauf aufbauend werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien vorgestellt, die vor allem auf sogenannte perfektionistische „Denkfehler“ abzielen.

Buchungscode: Sym 1

Veranstaltungsort
Mercure Hotel Stuttgart City Center
Heilbronner Straße 88
70191 Stuttgart
www.accor.com
0711 255580

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 250,- Euro (inkl. MwSt.). Speisen und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg 9 CME-Punkte beantragt.

Wissenschaftliche Leitung
Dr. med. Franziska van Hall

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung
Frühstückssnack

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
gesunder Energysnack

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. phil. André Wannemüller

12:45 – 13:30 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Lunch
3-Gänge-Menü

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Robert Willi

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
Nachmittagssnack

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. phil. Dipl.-Psych. Christine Altstötter-Gleich

16:45 – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Verabschiedung