11.12.2021 | Heidelberg

Stillachhaus-Campus Akademie Symposium in Heidelberg

Wenn Angst zur Krankheit wird…

Referent: Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf | Alexander von Humboldt-Professur für klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum

Was haben Goethe, Freud und Brecht gemeinsam? Sie alle litten unter einer Angststörung. Übermäßige Ängste von Krankheitswert betreffen aber nicht nur berühmte Künstler und Wissenschaftler, sondern stellen weltweit die häufigste Form psychischer Störungen dar. Ohne professionelle Hilfe führen sie für die Betroffenen wie ihre Angehörigen i.d.R. zu massiven Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Derartige Folgeprobleme stellen wiederum selbst eine Belastung dar. So kommt es oft zu einer „Abwärtsspirale“, an deren Ende häufig Depressionen, Alkoholabhängigkeit, Medikamentenmissbrauch und eine um bis zu 20mal erhöhte Suizidgefahr stehen. Mittlerweile existieren zuverlässige Diagnosemethoden und erfolgreiche Behandlungsansätze für die Angststörungen. Zugleich ist unser Wissen über die zugrunde liegenden Wirkmechanismen und die effektive Übertragung der Forschungsergebnisse in die klinische Praxis stark gewachsen. In jüngster Zeit sind verstärkt basale Gedächtnis- und Lernprozesse sowie die Förderung von Selbstwirksamkeit und positiver psychischer Gesundheit in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Der Vortrag stellt die wichtigsten Neuentwicklungen dar und gibt praktische Empfehlungen für die therapeutische Arbeit.

Resilienz nachhaltig stärken: Psychotherapie wirkt über die Generationengrenze

Referentin: Univ.-Prof. Dr. Silvia Schneider | Dekanin der Fakultät Psychologie, Ruhr-Universität Bochum

Unumstritten ist, dass ein Familienmitglied mit einer psychischen Störung das Risiko für andere Familienmitglieder erhöht, ebenfalls eine psychische Störung zu entwickeln. Eine bisher wenig beachtete Frage ist jedoch was passiert, wenn das erkrankte Familienmitglied durch eine erfolgreiche Behandlung die psychische Störungen zu bewältigen lernt. Der Vortrag widmet sich dieser Fragestellung auf zwei Wegen: (1) Wie wirkt sich die Psychotherapie eines Elternteils „top-down“ auf die Kinder aus? (2) Wie wirkt sich die Psychotherapie eines Kindes „bottom-up“ auf die Eltern aus? Darauf aufbauend wird exemplarisch dargestellt, welche Prozesse an Psycho- therapieeffekten über die Generationengrenze hinweg beteiligt sein könnten. Empfehlungen für die klinische Praxis werden diskutiert.

Depressives Grübeln: Ätiologie und Behandlung

Referent: PD Dr. Tobias Teismann | Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum. Geschäftsführender Leiter des Zentrums für Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum

Grübeln gilt als ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Störungen, wie auch für das Auftreten von Rückfällen und Wiedererkrankungen. Darüber hinaus verweisen eine Vielzahl an Forschungsarbeiten auf die Bedeutung grüblerischen Denkens für die Aufrechterhaltung von Angststörungen, Essstörungen, Schlaf- und Schmerzstörungen. Aber auch jenseits psychopathologischer Belastung leiden viele Menschen in ihrem Alltag an wiederkehrenden und zermürbenden Grübelschleifen. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wurden in den vergangenen Jahren verschiedene kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze entwickelt, die über eine gezielte Modifikation depressiven Grübelns das Behandlungsangebot für depressive Patienten zu erweitern versuchen. Im Vortrag werden die Auswirkungen depressiven Grübelns skizziert und verschiedene Annahmen zur Ätiologie depressiven Grübelns referiert. Im Anschluss werden Behandlungsstrategien vorgestellt. Im Einzelnen wird dabei eingegangen werden auf die Entwicklung eines metakognitiven Fallkonzeptes, Interventionen zur Modifikation dysfunktionaler grübelbezogener Annahmen und den Einsatz aufmerksamkeitslenkender Techniken zur Behandlung depressiven Grübelns.

Optimismus und Selbstwirksamkeit in der Psychotherapie

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliche Direktorin Stillachhaus Privatklinik

Unser menschliches Gehirn gibt in seiner Grundeinstellung negativen Reizen den Vorrang gegenüber neutralen oder positiven Stimuli. Denn Pessimismus hat sich als Grundmuster bezüglich Vorsicht und Überleben in einer gefährlichen Welt in vielerlei Hinsicht als vorteilhaft erwiesen. Dennoch sind es wohl die Optimisten, die länger leben – dies war das Ergebnis einer aktuellen in „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“ veröffentlichten Forschungsstudie. Welche Ziele wir uns setzen und ob wir jene auch erreichen, dies hängt maßgeblich von unseren Grundeinstellungen, Sichtweisen und Glaubenssätzen ab. Doch welche Definitionen und Konzepte von Optimismus existieren heute? Welche Faktoren generieren seine lebensverlängernde Wirkung? Ist Optimismus wirklich trainierbar? Im Vortrag werden unterschiedliche Attributionsmuster und Überzeugungen auf den Prüfstand gestellt. Studien haben zudem gezeigt, dass eine optimistischere Einstellung durch einfache therapeutische Techniken und Tools nachhaltig gefördert werden kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Selbstwirksamkeitserleben (SWE). SWE und positive Handlungsergebnisse unterstützen sich gegenseitig und können bei der Förderung der positiven Gesundheit psychotherapeutisch wirksam genutzt werden.

Buchungscode: Sym 13

Veranstaltungsort
Arthotel Heidelberg
Grabengasse 7
69117 Heidelberg
www.arthotel.de
06221 / 650060

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 250,- Euro (inkl. MwSt.). Speisen und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg 9 CME-Punkte beantragt.

Wissenschaftliche Leitung
Dr. med. Franziska van Hall

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung
Frühstückssnack

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
gesunder Energysnack

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. Silvia Schneider

12:45 – 13:30 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Lunch
3-Gänge-Menü

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Tobias Teismann

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
kurze Pause
Nachmittagssnack

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

16:45 – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung des Fragebogens
Verabschiedung