07.03.2020 | Karlsruhe

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Karlsruhe

CME Zertifikat

Für das Symposium in Karlsruhe werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg beantragt.

Chronische Schmerzen – Umgang mit dem Ungeliebten

Referent: Dr. med. Colin Schmidt | Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Facharzt für Anästhesiologie, Chefarzt Stillachhaus Privatklinik

Mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Auch im Zeitalter der Hochleistungsmedizin dauert es nicht selten mehrere Jahre bis zur korrekten Diagnosestellung und Initiierung einer adäquaten Therapie. Chronische Schmerzstörungen sind daher ein großes gesellschaftliches Problem in Deutschland – das für Betroffene und deren Angehörige oft ein schweres Leiden und für die Medizin eine enorme Herausforderung darstellt. Häufig fühlen sich nicht nur Betroffene, sondern auch Helfende überfordert und hilflos, was immer wieder zu unnötigen, z.T. auch schädigenden diagnostischen Maßnahmen, Medikamenten-Verordnungen und invasiven Therapien führt. Darüber hinaus erleben sich viele der chronischen Schmerzpatienten in unserem Medizinsystem nicht genügend ernst genommen bzw. von ihrem sozialen Umfeld nicht ausreichend verstanden, was in einer Negativspirale aus Resignation, sozialen Rückzugstendenzen und weiterer Schmerzverstärkung, aber auch psychischen Komorbiditäten wie Medikamentenmissbrauch und Depression münden kann.
Auf der anderen Seite hat sich das Wissen hinsichtlich multifaktorieller Prozesse der Schmerzchronifizierung – mit Wechselwirkungen zwischen somatischen, psychischen und sozialen Faktoren – sowie erfolgreicher Behandlungsmethoden deutlich erweitert. Neben modernen Therapieansätzen beschäftigt sich der Vortrag auch mit wichtigen kommunikativen Aspekten, Erwartungs-, Placebo- bzw. Noceboeffekten und gibt praktische Empfehlungen für einen vertrauensfördernden und hilfreichen Umgang mit chronischen Schmerzpatienten.

Wir wollten doch noch so viel machen – Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Patient, Partner und Partnerschaft

Referentin: Prof. Dr. Tanja Zimmermann | Professur für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizn und Onkologie, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover

Eine Krebserkrankung stellt nicht nur für die erkrankte Person eine psychosozial belastende Situation dar, sondern kann auch den nicht erkrankten Partner und die partnerschaftliche Funktionsfähigkeit sowie das Leben von Kindern, Verwandten und engen Freunden beeinträchtigen. Die psychische und physische Funktionsfähigkeit der Angehörigen beeinflusst auch ihre Fähigkeit, für die Patienten zu sorgen. Daher ist es von größter Bedeutung, die psychosozialen Belastungen sowohl bei Patienten als auch bei Angehörigen zu erfassen sowie Angehörige und hier insbesondere die Partner der Patienten in die psychoonkologischen Beratungskonzepte zu integrieren. Trotz der insgesamt deutlich verbesserten psychosozialen Versorgung von Krebspatienten im Rahmen der Leitlinienentwicklung und der Definition psychosozialer Versorgungsstandards erhalten Angehörige weniger emotionale und praktische Unterstützung als Patienten. Paarinterventionen verbessern nachweislich die Kommunikationsfähigkeit der Partner im Hinblick auf die individuellen Ängste und die oftmals veränderten Rollen innerhalb der Partnerschaft. Das Paar lernt, Stress gemeinsam zu bewältigen im Sinne einer „We-Disease“. Auch der Übergang von der direkten medizinischen Therapiephase in die „Normalität“ mit beispielsweise der Wiederaufnahme sexueller Aktivität kann dem Paar durch erfolgreiches dyadisches Coping leichter fallen als Paaren ohne psychoonkologische Paarintervention.

Stressempfindlichkeit oder Resilienz hängt mit dem Energie-Metabolismus im Gehirn zusammen

Referent: Dr. Michael van der Kooij | Lab. Translational Psychiatry, Institut für Psychiatrie und Psychotherapie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Insbesondere chronischer Stress gilt als ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen wie beispielsweise depressive Störungen. Zudem kann er sich negativ auf den Stoffwechsel und besonders auf den Zuckerstoffwechsel auswirken. Die Aufnahme der Zuckerart Glukose aus dem Blut ist dabei besonders wichtig für das Gehirn. Wenn sich das Gleichgewicht des Glukosestoffwechsels auch nur geringfügig verändert, reagiert das Gehirn sehr empfindlich. In einem Tiermodell für chronischen Stress haben wir eine periphere als auch zentrale Störung des Zuckerstoffwechsels gefunden; diese physiologischen Änderungen und damit verbundene psychische Symptome stehen in ursächlichem Zusammenhang. Demnach kann eine stressinduzierte Störung des Zuckerstoffwechsels mit der Entstehung von stressabhängigen psychischen Erkrankungen zusammenhängen. Fraglich ist warum chronischer Stress bei manchen Personen zur Entwicklung psychischer Symptome führt, wie beispielsweise zu depressiver Stimmung oder einer Funktionsstörung des Gedächtnisses, während andere Menschen unter identischen Lebensbedingungen gesund bleiben und seelisch widerstandsfähig, also resilient sind?
Unseren Studien zufolge, kommt hier die Individualität ins Spiel. Innerhalb der Gruppe der gestressten Tiere gibt es nämlich Untergruppierungen: zum einen sehr empfindliche, so genannte suszeptible Tiere, die auf den Stress mit einer deutlichen Störung des Glukosestoffwechsels reagieren und gleichzeitig das Lernvermögen eingeschränkt ist und zum anderen resiliente Tiere ohne die Entwicklung dieser physiologischen und kognitiven Störungen. Mit Hilfe eines Diabetes Medikamentes konnten wir diese Stress-suszeptiblen Tiere vor den negativen Konsequenzen des Stresses schützen, was den Zusammenhang zwischen Stress und Energie-Metabolismus weiter unterstreicht und Anlass zur Hoffnung gibt, dass diese neuen Erkenntnisse dazu beitragen Therapiemöglichkeiten für stressassoziierte Erkrankungen zu verbessern.

Ganz viel Wert – Selbstwerttherapie

Referent: Dipl.-Psych. Sven Hanning | Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Dozent

Selbstwertprobleme werfen einen langen Schatten auf die Leben der Betroffenen: Sie halten sich für minderwertig, nicht liebenswert, unfähig und erfolglos. Selbstwertprobleme spielen bei zahlreichen psychischen Störungen eine wichtige Rolle und stellen häufig den Kern der Symptomatik dar.
Aber – was ist eigentlich Selbstwert? Woher kommt das Selbstwertgefühl? Wozu brauchen Menschen Selbstwert? Und wie kann man therapeutisch konkret daran arbeiten?
Der Vortrag vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Theorien zum Thema und leitet anschaulich praxistaugliche Interventionen in einem pragmatischen Gesamtkonzept ab, um Selbstwertprobleme auf verschiedenen Ebenen zu bearbeiten.
Alle Interventionen verfolgen über verschiedene Zugänge die übergeordneten Therapieziele: die Regeln der Selbstbewertung aufdecken und hinterfragen, ein realistisches, komplexes Selbstbild etablieren, Selbstakzeptanz aufbauen und einen freundlichen Umgang mit sich selbst ermöglichen.

Veranstaltungsort
Schlosshotel Karlsruhe
Bahnhofplatz 2
76137 Karlsruhe
www.schlosshotelkarlsruhe.de
0721 3832-0

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Colin Schmidt

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Tanja Zimmermann

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. Michael van der Kooij

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dipl.-Psych. Sven Hanning

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung