05.12.2020 | Kassel

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Kassel

CME Zertifikat

Für das Symposium in Kassel werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer Hessen beantragt.

Aktueller Stand: 06.11.2020, 13:00 Uhr:
Das Symposium ist aufgrund der aktuellen Lage des Corona-Virus abgesagt.

Psychologische Resilienz: Grundlagen, Mechanismen und Perspektiven

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliche Direktorin Stillachhaus Privatklinik

Als psychologische Resilienz wird insbesondere die Fähigkeit eines Individuums bezeichnet, sich erfolgreich an Stress, Traumata und Krisensituationen anzupassen. Unserem heutigen Verständnis zufolge unterliegt Resilienz einem prozesshaften Charakter; sie ist dynamisch und damit veränderbar. Doch welche übergeordneten Resilienz-Mechanismen führen in ihrem Zusammenwirken zu einer verlässlichen Vorhersage von Resilienz gegenüber Stressoren? Der Vortrag bietet einen Überblick über die derzeit noch sehr heterogenen wissenschaftlichen Resilienzkonzepte, ausgehend von unterschiedlichen Resilienz-Definitionen über deren Operationialisierung bis hin zur Erfassung eines einheitlichen Resilienzkonstruktes. Auch in Bezug auf die Frage, wie Resilienz als erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben am besten trainierbar wird, existiert derzeit noch kein wissenschaftlicher Konsens: Vor dem Hintergrund einer kritischen Reflexion der bisherigen Evidenz solcher Interventionen wird ein Ausblick auf den zukünftigen Forschungsbedarf unter Einbezug notwendiger wissenschaftlicher Standards skizziert. Im Weiteren erfolgt ein Einblick in die praktische resilienzmedizinische Arbeit des Stillachhauses. Trotz der Verschiedenheit der einzelnen Forschungsbefunde ließ sich bereits ein deutlicher Zusammenhang zwischen Resilienz und psychischer Gesundheit z.B. auch bei körperlich Erkrankten zeigen. Parallel zur klinischen psychosomatisch-psychotherapeutischen Arbeit werden daher im Stillachhaus durch gezielte Interventionen bekannte Resilienzfaktoren gefördert, um durch die gewonnene positive Gesundheitskompetenz (Veränderung von Einstellungen und Ansichten, neugewonnene Stärken und Ressourcen sowie Kompetenzen) den Therapieerfolg der Patienten und damit deren Lebensqualität nachhaltig zu stärken.

Von der Macht der Erwartung – Grundlagen und klinische Implikationen des Placeboeffekts

Referentin: Prof. Dr. Christiane Hermann | Justus-Liebig Universität Gießen

Lange Zeit galt der Placeboeffekt als konfundierender und unspezifischer Faktor bei Interventionen, der im Kontext von randomisiert placebo-kontrollierten Studien herangezogen wurde, um die spezifische Wirksamkeit einer medizinischen oder psychologischen Behandlung abzuschätzen. In den letzten 20 Jahren hat die Forschung allerdings gezeigt, dass der Placeboeffekt vielmehr als psychosozialer Kontextfaktor zu verstehen ist, der integraler Bestandteil jeder Behandlungsmaßnahme ist. Psychologische Mechanismen und speziell Erwartungen auf Seiten des Patienten sind hierbei von zentraler Bedeutung. Verschiedene Wege, wie diese Erwartungen generiert werden können, wurden inzwischen beschrieben und systematisch untersucht, insbesondere im Kontext der Placebohypoalgesie. Lag der Schwerpunkt der Forschung ursprünglich auf der Identifizierung der dem Placeboeffekt zugrundliegenden psychologischen und neurobiologischen Mechanismen stehen inzwischen Fragen nach interindividuellen Unterschieden und Fragen nach der Umsetzung der Erkenntnisse in der klinischen Praxis im Vordergrund. Insbesondere unter Berücksichtigung ethischer Bedenken haben sich Placebobehandlungen ohne Täuschung des Patienten als ein vielversprechender Weg erwiesen, wie die Erkenntnisse der Placeboforschung zur Optimierung von Behandlungsergebnissen genutzt werden können. Diese Entwicklungen werden im Kontext der Behandlung von (chronischem) Schmerz und Depression illustriert.

Pathologischer Narzissmus: Entstehung, Diagnostik und Therapie bei betroffenen Patienten

Referent: Prof. Dr. Stefan Röpke | Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Narzissmus ist ein Persönlichkeitsmerkmal, welches seit der Antike beschrieben ist. Wenn Leid und Beeinträchtigung hierdurch beim Betroffenen hervorgerufen werden, wird es als pathologischer Narzissmus klinisch relevant. Als eigenständige Diagnose findet es sich als Narzisstische Persönlichkeitsstörung nur im amerikanischen Diagnosesystem DSM-5®, nicht jedoch im ICD-10® der WHO. Diese Randständigkeit in den Klassifikationssystemen steht im Widerspruch zum großen klinischen Interesse an dem Störungsbild. Bisher wurden viele Theorien und Therapien für den pathologischen Narzissmus entwickelt. In diesem Vortrag sollen diese Behandlungsansätze und Theorien den verfügbaren empirischen Daten gegenübergestellt werden. Es soll den Fragen nachgegangen werden: Was wissen wir über die Pathogenese von Narzissmus? Welche klinischen Modelle sind belegbar? Welche Behandlungsansätze wirken? Gibt es kulturelle Unterschiede hinsichtlich der Ausprägung von pathologischem Narzissmus? Steuern wir auf eine narzisstische Epidemie zu?

Einsamkeit in der modernen Welt-Trends und Möglichkeiten

Referentin: Prof. Dr. Sonia Lippke | Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin, Jacobs University Bremen

Unter dem Begriff Einsamkeit versteht man das subjektive Leiden unter Alleinsein und das Gefühl, nicht verstanden zu werden oder Resonanz zu vermissen. Auch wenn die Einsamkeit in der Bevölkerung nicht ansteigt, so nimmt doch das Interesse am Thema und darüber zu sprechen zu. Dies bietet viele Chancen, denn die Angst vor Alterseinsamkeit beschäftigt viele Menschen und auch die Frage nach veränderter Kommunikation stellt soziale Bindungen und Interaktionen in Frage. Maßnahmen gegen Einsamkeit sind sowohl sozial als auch ökonomisch sinnvoll. So konnte gezeigt werden, dass sich gezielte Angebote rechnen: Jedes hierfür investierte britische Pfund entlastete öffentlichen Kassen an anderer Stelle um 1,26 Pfund – zum Beispiel im Gesundheitswesen. Denn Einsamkeit kann krank machen – und sie kann auch ansteckend sein. Das klingt zunächst merkwürdig, denn einsam zu sein bedeutet ja in der Regel, wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben. In unserem digitalen Zeitalter verbreiten sich die Folgen von Einsamkeit jedoch über soziale Netzwerke. Viele Menschen, denen es an zwischenmenschlicher Resonanz fehlt, verstricken sich zunehmend in die eigene Gedankenwelt. Einige finden im Internet und Sozialen Medien Hilfe, viele jedoch bestärken sich dort auch gegenseitig in ihren negativen Emotionen. Denn im Gegensatz zum Alleinsein geht Einsamkeit oft mit dem Gefühl einher, ausgegrenzt zu sein. Dies wiederum schwächt das Selbstwertgefühl und macht Menschen anfälliger. Wie Ärzte und Psychologen damit umgehen können, das wird in diesem Beitrag näher beleuchtet und mit den Zuhörern interaktiv diskutiert.

Veranstaltungsort
Golden Tulip Kassel Hotel Reiss
Werner-Hilpert-Straße 24
34117 Kassel
www.hotelreiss.de
0561 52140-0

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Hessen 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Christiane Hermann

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Stefan Röpke

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Sonia Lippke

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung