04.07.2020 | Gießen

Stillachhaus-Campus Akademie® Symposium in Gießen

Aktueller Stand: 26.05.2020, 8:00 Uhr
Das Symposium in Gießen findet unter Einhaltung der behördlich vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei Änderungen werden wir Sie umgehend informieren.

CME Zertifikat

Für das Symposium in Gießen werden 9 CME-Punkte bei der Landesärztekammer NordrheinHessen beantragt.

Altersdepression: Besonderheiten und Pharmakotherapie

Referent: PD Dr. Arnim Quante | Geschäftsführender Oberarzt, Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Neben kognitiven Störungen gehören depressive Störungen zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. Ungefähr 7% der über 70-jährigen leiden an einer Depression. Eine Reihe von besonderen Lebensumständen sind in dieser Altersgruppe im Vergleich zur jüngeren Bevölkerung hervorzuheben: dazu gehören insbesondere andere körperliche Erkrankungen, Einsamkeit sowie die Veränderung der Wohnsituation. Heimbewohner leider sehe viel häufiger an Depressionen als diejenigen, die in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Die Suizidalität ist im höher Lebensalter insbesondere bei Männern erhöht. Bei zunehmender Lebenserwartung muss mit einem Anstieg der Häufigkeiten gerechnet werden. Dennoch erhalten viele dieser Patienten keine ausreichende Therapie, obwohl eine Behandlung genauso gut möglich ist, wie bei jüngeren Patienten. Die Pharmakotherapie ist neben der Psychotherapie eine wichtige Säule in der Behandlung der Altersdepression. Sie unterscheidet sich nicht in hohem Maße von der Therapie bei jüngeren Patienten, jedoch sind einige altersbedingte Besonderheiten wie die Polypharamzie, physiologische Veränderungen und Interaktionen zu beachten. In dem Vortrag wird genau auf diese spezifischen Anforderungen in der Behandlung der Altersdepression mit einem Schwerpunkt auf die Psychopharmakologie eingegangen.

Emotionsregulation – Wie Sie Ihren Patienten helfen, sich selbst zu helfen

Referentin: Dr. sc. hum. Dipl.-Psych. Dorina Winter | Psychologische Psychotherapeutin. Geschäftsführende Leitung des Weiterbildungsstudiengangs in Psychologischer Psychotherapie der Universität Koblenz-Landau

Viele schädliche Verhaltensweisen unserer Patienten werden durch intensive Gefühle wie Wut, Angst oder Selbsthass ausgelöst. Besonders gravierend zeigt sich dies bei Personen, die unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden. In den letzten drei Jahrzehnten haben sich wirksame Therapiemethoden etabliert, die darauf abzielen, den Umgang mit Gefühlen zu verbessern. Dieser Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand und neue Entwicklungen der psychologischen und neurowissenschaftlichen Forschung zur Emotionsregulation und der Verbesserung dieser durch psychotherapeutische Interventionen. Am Beispiel von Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung wird deutlich, dass auch der Umgang mit unangenehmsten Gefühlen gelernt werden kann – und wie wir Therapeuten unsere Patienten dabei unterstützen können.

Der innere Kritiker von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Selbstabwertung und übertriebene Zweifel entmachten

Referent: Dipl.-Psych. Boris Pigorsch | Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor

Viele Therapeuten, kennen eine extrem selbstkritische Haltung der eigenen Arbeit gegenüber, die im Alltag für Unsicherheit, Überengagement und Zweifel sorgen kann. Die eigene therapeutische Kompetenz, bereits erzielte Erfolge und Ressourcen können zum Teil nicht ausreichend gewürdigt werden. Vermeintliche Fehler oder stockende Therapieprozesse erlangen immense Bedeutung und beweisen scheinbar, wie recht die eigene selbstkritische Instanz doch hatte. Im Zusammenhang mit einer solchen übertriebenen Selbstkritik, die sich häufig auch auf den privaten Bereich bezieht, kann ein starker und andauernder Leidensdruck entstehen. Eine angemessene Selbstfürsorge als Therapeut/in für sich selbst fällt bei aller Fürsorge für Patienten dabei schwer.
Im Vortrag werden häufig anzutreffende Funktionen dieses überkritischen inneren Anteils und seine Bedeutung als Lösungsversuch dargestellt. So kann diese wichtige, kritische innere Instanz verstanden, gewürdigt sowie utilisiert werden und somit an Dominanz verlieren.
Im Weiteren werden durch kleine verhaltenstherapeutische und hypnotherapeutische Impulse innerhalb des Vortrags wichtige innere Prozesse angestoßen, um einen konstruktiven Dialog mit dem eigenen inneren Kritiker und weiteren inneren Anteilen zu beginnen. So können eigene (therapeutische) Ressourcen gesehen, anerkannt, aktiviert und eingesetzt werden. Basierend auf dem Buch: „Der innere Kritiker von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Selbstabwertung und übertriebene Zweifel entmachten.“, werden verschiedene Strategien im Verlauf verdeutlichen, wie es als Therapeut/in gelingen kann, in kleinen Schritten mehr Wohlwollen und Selbstfürsorge anzustreben, das Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten zu stärken und sich von überzogener Selbstkritik zu befreien.

Von der Macht der Erwartung – Grundlagen und klinische Implikationen des Placeboeffekts

Referentin: Prof. Dr. Christiane Hermann | Justus-Liebig Universität Gießen

Lange Zeit galt der Placeboeffekt als konfundierender und unspezifischer Faktor bei Interventionen, der im Kontext von randomisiert placebo-kontrollierten Studien herangezogen wurde, um die spezifische Wirksamkeit einer medizinischen oder psychologischen Behandlung abzuschätzen. In den letzten 20 Jahren hat die Forschung allerdings gezeigt, dass der Placeboeffekt vielmehr als psychosozialer Kontextfaktor zu verstehen ist, der integraler Bestandteil jeder Behandlungsmaßnahme ist. Psychologische Mechanismen und speziell Erwartungen auf Seiten des Patienten sind hierbei von zentraler Bedeutung. Verschiedene Wege, wie diese Erwartungen generiert werden können, wurden inzwischen beschrieben und systematisch untersucht, insbesondere im Kontext der Placebohypoalgesie. Lag der Schwerpunkt der Forschung ursprünglich auf der Identifizierung der dem Placeboeffekt zugrundliegenden psychologischen und neurobiologischen Mechanismen stehen inzwischen Fragen nach interindividuellen Unterschieden und Fragen nach der Umsetzung der Erkenntnisse in der klinischen Praxis im Vordergrund. Insbesondere unter Berücksichtigung ethischer Bedenken haben sich Placebobehandlungen ohne Täuschung des Patienten als ein vielversprechender Weg erwiesen, wie die Erkenntnisse der Placeboforschung zur Optimierung von Behandlungsergebnissen genutzt werden können. Diese Entwicklungen werden im Kontext der Behandlung von (chronischem) Schmerz und Depression illustriert.

Veranstaltungsort
Best Western Plus Hotel Steinsgarten
Hein-Heckroth-Str. 20
35390 Gießen
www.hotel-steinsgarten.de
0641 3899-0

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 200,- Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Für das Symposium werden bei der Landesärztekammer Hessen 9 CME-Punkte beantragt.

Zeitplan

09:30 – 10:00 Uhr
Akkreditierung und Begrüßung

10:00 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Arnim Quante

11:30 – 11:45 Uhr
kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. sc. hum. Dipl.-Psych. Dorina Winter

13:15 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dipl.-Psych. Boris Pigorsch

15:30 – 15:45 Uhr
kurze Pause

15:45 – 17:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Christiane Hermann

17:15 – 17:30 Uhr
Verabschiedung